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Internal-Linking-Audit — Pillar-Cluster richtig verkabeln

Falsch verteilte interne Links lassen Google PageRank verloren gehen, der eigentlich Ihren Cornerstones zustünde. Bei mittelgroßen Sites (20–200 URLs) tritt das Problem schleichend auf — nur 20 Prozent der Sites, die wir auditieren, haben eine saubere Verteilung. Ein 4-Schritte-Audit deckt strukturelle Lücken auf, mit Screaming-Frog, Sistrix und einer simplen Verteilungs-Logik. Die häufigste Erkenntnis: Cornerstones sind unterverlinkt, irrelevante Detail-Seiten überverlinkt.

Von Andrea Otten·Geschäftsführerin · Tagleuchte

Warum interne Verlinkung Rankings macht

Google's PageRank-Algorithmus ist trotz aller Updates seit 1998 die Grundlage der Ranking-Berechnung. Vereinfacht: jede Seite hat einen Quality-Score, und sie verteilt diesen Score über ihre ausgehenden Links — interne wie externe. Eine Seite mit hohem Score, die auf eine andere interne Seite verlinkt, überträgt Quality-Signal. Wenn die wichtigsten internen Seiten nur wenige interne Eingangs-Links haben, bekommen sie zu wenig Score-Kapital — und ranken schlechter, als sie könnten.

Bei mittelgroßen Marketing-Sites (typisch 20–200 URLs) sind die häufigsten Befunde: Cornerstones sind im Footer und in der Hauptnavigation verlinkt, aber im Content-Bereich nur sporadisch. Detail-Seiten und Blog-Posts kreuzverlinken sich untereinander, aber zeigen kaum auf die Cornerstones. Das ist genau die falsche Architektur — Cornerstones brauchen die meisten Eingangs-Links, nicht die wenigsten.

Ein Audit deckt das systematisch auf. Vier Schritte, jeweils 1–3 Stunden Aufwand. Ergebnis: eine priorisierte Liste konkreter Link-Edits mit erwartbarem Effekt.

Audit in 4 Schritten

Reihenfolge ist wichtig — Schritt 1 + 2 liefern die Datenbasis, 3 + 4 die Interpretation. Wer ohne Daten anfängt zu raten, optimiert oft die falschen Stellen.

  1. 01

    Screaming-Frog-Crawl der Site

    Screaming Frog SEO Spider (oder Sitebulb) gegen die Domain laufen lassen. Aus dem Crawl die zwei wichtigsten Reports: „Inlinks pro URL“ (wieviel interne Eingangs-Links hat jede Seite?) und „Outlinks pro URL“ (wieviel ausgehende interne Links pro Seite?). Diese zwei Spalten in ein Spreadsheet ziehen. Cornerstones in einer Spalte markieren — meist 5–10 URLs.

  2. 02

    Cornerstone-Eingangs-Profil prüfen

    Erwartung: Cornerstones haben die höchsten Inlinks-Werte. Realität bei den meisten Sites: Cornerstones haben 5–15 Inlinks (Header + Footer + ein paar Content-Verlinkungen), während Detail-Posts oft 30–80 Inlinks haben (jeder Blog-Post linkt zu jedem anderen Blog-Post). Wenn Ihre Cornerstones unter 30 Inlinks liegen und Blog-Posts darüber, ist die Verteilung umgekehrt — der häufigste Audit-Befund.

  3. 03

    Anchor-Text-Verteilung pro Cornerstone

    Mit Screaming Frog's „Anchor Text“-Report alle Anchors zu jeder Cornerstone exportieren. Verteilung prüfen: nicht mehr als 30 Prozent Exact-Match (z. B. „SEO Agentur Mannheim“), 30–40 Prozent thematisch verwandt („SEO-Beratung“, „Suchmaschinenoptimierung“), 20–30 Prozent generisch („mehr dazu“, „lesen Sie hier“), 10–20 Prozent Brand-Anchor („Tagleuchte“). Übermäßige Exact-Match-Anchors signalisieren Google manipulierte Verlinkung.

  4. 04

    Orphan-Pages aufdecken

    Orphan-Pages sind URLs, die von keiner anderen internen Seite verlinkt sind — sie existieren nur über Sitemap oder externen Backlink. Screaming Frog's „Orphan URLs“-Report (Vergleich Sitemap vs. tatsächlich gecrawlte URLs). Diese Seiten haben praktisch null PageRank und ranken schlecht. Lösung: entweder integrieren (interne Links setzen) oder löschen (mit 301-Redirect zur nächst-passenden URL).

Wie Linkjuice idealerweise fließt

Eine gut verlinkte Marketing-Site hat eine klare Hierarchie. Die folgende Verteilung ist Richtgröße für Sites mit 50–150 URLs — bei kleineren oder größeren Sites variieren die absoluten Zahlen, aber die Proportionen bleiben.

Homepage als Linkjuice-Verteiler

Die Homepage hat typisch den höchsten externen Backlink-Profil und gibt Linkjuice nach unten weiter. Sie sollte die wichtigsten Cornerstones im Hauptcontent verlinken — nicht nur in Header/Footer, sondern in eigenen kontextuellen Blöcken („Acht Themen, eine Adresse“-Sektion ist ein gutes Pattern). 8–15 ausgehende interne Content-Links auf der Homepage sind angemessen, mehr verwässern den Linkjuice-Anteil pro Link.

Cornerstones brauchen 30+ Eingangs-Links jeweils

Aus Header, Footer, Homepage-Content, Sitemap, Blog-Posts, anderen Cornerstones (Cross-Linking), Case-Studies. Pro Cornerstone Mindestens: 1× Header-Navigation, 1× Footer, 1× Homepage-Sektion, 5–10× aus Blog-Cluster, 2–5× aus anderen Cornerstones, 5–10× aus Case-Studies oder Service-Detail-Seiten. Summiert: 25–40 interne Eingangs-Links als Standard.

Spokes/Blog-Posts brauchen 10–20 Eingangs-Links

Pro Blog-Post mindestens: 1× Blog-Übersicht, 1× Pillar-Cornerstone (wichtig für Cluster-Logik), 3–5× andere thematisch passende Spokes (Cross-Links), 1–2× von Case-Studies oder Detail-Seiten. Posts mit weniger als 5 Inlinks sind faktisch Orphans aus PageRank-Perspektive.

Anchor-Text-Variation kontrollieren

Die häufigsten Anchor-Patterns für Cornerstones in einem gesunden Mix. Variation senkt das Risiko von Penguin-Sanktionen und ist außerdem für menschliche Leser:innen besser lesbar — niemand klickt 5-mal auf den gleichen Anchor-Text auf einer Seite.

  • 01Exact-Match — sparsamMaximal 25–30 Prozent aller Anchors zur Cornerstone. „SEO Agentur Mannheim“ als wörtlicher Anchor-Text. Nutzen, aber nicht überstrapazieren. Pro Seite typisch nur einmal.
  • 02Partial-Match / thematisch verwandt30–40 Prozent. „SEO-Beratung“, „lokale Suchmaschinenoptimierung“, „SEO-Mandate aus Mannheim“ — semantisch nahe Variationen. Funktioniert gut für Cluster-Linkjuice, weil es Google semantische Tiefe signalisiert.
  • 03Brand-Anchor10–20 Prozent. „Tagleuchte“, „bei Tagleuchte“ — der Marken-Anchor ist 100 Prozent unverdächtig und gleichzeitig ein Trust-Signal. Sollte definitiv im Mix sein, oft fehlt er komplett.
  • 04Generic / CTA-artig20–30 Prozent. „lesen Sie unseren Ansatz“, „mehr zu unserem SEO-Vorgehen“, „weiterlesen“. Wirkt natürlich, aber überträgt schwächeres Topic-Signal. Sinnvoll für Closing-Sätze und Übergänge, weniger für Header-Verlinkungen.
  • 05Long-Tail-Phrasen5–15 Prozent. Ganze Halbsätze als Anchor („wie wir bei mittelständischen Steuerkanzleien lokal SEO aufbauen“) — wirkt sehr natürlich und kann Long-Tail-Rankings sogar stützen. Funktioniert nur, wenn es im Lesefluss organisch ist.

Wartung & monatliche Routine

Internal-Linking ist nicht Set-and-Forget. Eine schlanke monatliche Routine reicht aus, um die Architektur sauber zu halten. Aufwand: 1–2 Stunden pro Monat.

FrequenzAufgabeTool
WöchentlichNeue Inhalte beim Veröffentlichen sofort intern verlinken — von der Cornerstone und mindestens 2 SpokesManueller Editor
MonatlichInlinks-Profil der Top-5-Cornerstones prüfen — Trend-Indikator für Topic-Authority-AufbauScreaming Frog
MonatlichOrphan-URLs aus dem letzten Monat identifizieren und integrierenScreaming Frog
QuartalAnchor-Text-Verteilung pro Cornerstone prüfen, übermäßiges Exact-Match abbauenSistrix oder Ahrefs
QuartalVeraltete Cross-Links (zu gelöschten oder umgezogenen URLs) bereinigen — 404-AuditSearch Console + Screaming Frog
HalbjährlichCluster-Architektur reviewen: ergeben die Pillars und Spokes noch thematisch Sinn?Manuell
Quellen & weiterführend
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Über die Autorin

Andrea Otten ist Geschäftsführerin · Tagleuchte. Sie betreut SEO-, Webdesign- und Performance-Marketing- Mandate seit über zehn Jahren — von kleinen lokalen Kanzleien bis zu Marken mit zehntausenden URLs.

Häufige Fragen zu SEO-Audit

  • Reicht es, Cornerstones einmal im Footer zu verlinken?

    Nein. Footer-Links zählen für Google's Topic-Modeling weniger als Content-Bereich-Links — sie sind kontextlos und auf jeder Seite identisch. Cornerstones brauchen kontextuelle Verlinkungen aus dem Content heraus, mit beschreibendem Anchor-Text und thematischer Nähe zum umliegenden Text. Footer ist Pflicht, aber kein Ersatz für strategische Content-Verlinkung.

  • Wie viele interne Links sollte eine Seite ausgehend haben?

    Faustregel: 50–150 interne Links pro Seite sind normal, alles drüber sieht für Google nach Link-Stuffing aus. Bei Marketing-Sites typisch 20–60 ausgehende Links pro Content-Seite (inkl. Header- und Footer-Navigation). Pro Content-Bereich (ohne Header/Footer) idealerweise 5–15 thematisch sinnvolle interne Links.

  • Was ist ein gesundes Linkjuice-Verhältnis Pillar : Spoke?

    Pro Pillar-Cornerstone sollten 5–10× mehr interne Links eingehen als pro einzelnem Spoke. Konkret: wenn ein Spoke 8 Inlinks hat, sollte die zugehörige Pillar 40–80 Inlinks haben. Wenn das Verhältnis umgekehrt ist (Spokes haben mehr Inlinks als die Pillar), wandert der Linkjuice falsch — die Pillar kann ihre Authority-Funktion nicht entfalten.

  • Wie unterscheide ich kontextuelle von navigationalen Links?

    Kontextuelle Links sind im redaktionellen Inhalt eingebettet, mit beschreibendem Anchor-Text, der sich aus dem Lesefluss ergibt. Navigationale Links sind Header-Menüs, Footer-Spalten, Breadcrumbs, Pagination — strukturell und auf vielen Seiten identisch. Google gewichtet kontextuelle Links höher, weil sie editoriale Absicht signalisieren. Im Audit getrennt analysieren — Tool-mäßig in Screaming Frog über die Filter „Type: Hyperlink in Body“ vs. „in Header/Footer“.

  • Wie gehe ich mit no-follow internen Links um?

    Bei internen Links sollten Sie no-follow nicht setzen — es bricht den Linkjuice-Fluss zur eigenen Site. Die historische „PageRank-Sculpting“-Praxis (no-follow auf weniger wichtige interne Seiten, um Link-Equity an wichtige zu konzentrieren) wurde 2009 von Google offiziell entwertet — fließt seither verloren statt umzulenken. Interne no-follows sollten nur in absoluten Ausnahmefällen vorkommen (Login-Seiten ohne Indexierungs-Wunsch, dann via robots.txt oder noindex sauberer regeln).

  • Was tun mit alten Blog-Posts, die nicht ranken?

    Drei Optionen, sortiert nach Aufwand: (1) **Konsolidieren** — den Inhalt in einen besser rankenden Spoke integrieren, alte URL via 301 weiterleiten. Oft beste Wahl. (2) **Refresh** — den Post substantiell aktualisieren, neue Daten/Beispiele, intern frisch verlinken, Update-Datum setzen. (3) **Löschen** mit 301 zur nächst-passenden URL. Was niemals: einfach stehen lassen — alte schwach rankende Posts ziehen den Domain-Quality-Score nach unten.

  • Wie oft sollte ich Internal-Linking auditieren?

    Für mittelständische Marketing-Sites: vollständiger Audit alle 6 Monate, leichtere Stichprobe der Top-Cornerstones monatlich. Kürzere Intervalle bringen meist keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn, weil die strukturellen Änderungen langsam wirken — neuer interner Link braucht 4–8 Wochen, bis der Ranking-Effekt sichtbar wird.

  • Hilft ein Sitemap-XML beim Internal-Linking-Score?

    Indirekt. Sitemap-XML signalisiert Google, welche URLs Sie für indexierungswürdig halten — beeinflusst aber nicht den PageRank-Fluss zwischen den URLs. Die eigentliche Linkjuice-Verteilung passiert über die HTML-Links, nicht über die XML-Datei. Trotzdem: Sitemap aktuell halten, Cornerstones mit `priority: 0.9` markieren, Blog-Posts mit `priority: 0.7` — schadet nicht.

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